Dokumentation über Ilse Kokula

Ilse Kokula – Pionierin der Lesbenforschung

Ilse Kokula wurde 1944 in Schlesien geboren und lebt seit 1971 in Berlin. Sie war eine der ersten, die Lesbengeschichte sichtbar gemacht haben. Während ihre erste Veröffentlichung in den 70er Jahren noch unter einem Pseudonym erfolgte, publizierte sie in den 80er Jahren unter ihrem Namen. 

In ihrer Veröffentlichung – Jahre des Glücks, Jahre des Leids – Gespräche mit älteren lesbischen Frauen – erzählt beispielsweise Käthe Kruse, eine der Gründerinnen der Lesbengruppe  L’74 in Berlin über ihr Leben während der NS-Zeit, ebenso Marte X, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung schon vestorben war.

IK: hast du mal erlebt, daß Frauen ins KZ gekommen sind oder schwule Männer, hast du das mal im Bekanntenkreis gehört?

Marte: Ja, von der L. T. Das war die Freundin von der M. Und deren Schwester war verheiratet – die ist ins KZ gekommen.

IK: Aber, weil sie Lesbe war?

Marte: Die haben sie da irgenwo mal geschnappt mit ’ner Frau, und L. sagt, ich weiß ja gar nicht, was H. gemacht hat. Sie wurde ja auch ins KZ geschleppt, weil sie Jüdin war, wenn auch christlich verheiratet.

Auch in dem Interview mit Gerda Madsen wird ihr Leben in Hamburg in der Weimarer Zeit beschrieben. Sie war „nicht immer eine lose Jette“: „Ich habe viel gewechselt und hatte nebenbei aber immer auch so eine Art feste Beziehung.“ In der Hitler-Zeit habe man sich „zurückgezogen“, man traf sich nur noch privat und nicht länger im öffentlichen Raum. 

In weiteren Artikeln wird deutlich, dass lesbische Liebe weitgehend unsichbar blieb und ihr nur eine geringe Bedeutung beigemessen wurde; Auch wurde das Verhältnis von Frauenbewegung und Lesbenbewegung beleuchtet: „Es ist heute eine unleugbare Tatsche, daß zwischen der Frauenbewegung und der Ausdehnung lesbischen Verkehrs ein inniger Zusammenhang besteht.“ (Dr. Rudolf Klare, in Jahre des Glücks – Jahre des Leids, S. 35).  Dr. Klare trat für eine Bestrafung im deutschen Recht ein, da lesbische Liebe nunmehr vermehrt sichtbar wurde. 

Es ist Ilse Kokula zu verdanken, dass diese Dokumente lesbischer Zeitzeuginnen für uns nachfolgende Generationen lesbischer Frauen und Aktivistinnen erfahrbar gemacht wurden.

Ilse Kokula wurde 2007 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Jetzt ist eine biografische Dokumentation ihres Lebens und Wirkens auf vimeo erschienen. Sehenswert!

Link: https://vimeo.com/427708298