Studie der Europäischen Union zu Diskriminierung wegen der sexuellen Orientierung

Aktuelle Studie der Europäischen Union zu Diskriminierung wegen der sexuellen Orientierung

Der Begriff „sexuelle Orientierung“ ist nicht in allen europäischen Ländern gesetzlich geregelt, aber in Bulgarien, Schweden, dem Vereinigten Königreich, Irland und Deutschland. In einigen Ländern wurde „sexuelle Orientierung“ durch „sexuelle Identität“ ersetzt, wodurch das Definitionsspektrum deutlich erweitert worden ist. Diskriminierung aufgrund der vermuteten sexuellen Orientierung (Homosexualität) ist in folgenden Ländern ausdrücklich verboten: Bulgarien, Kroatien, Tschechische Republik, Ungarn, Irland und Portugal.

Ausnahmen für Diskriminierungen sind Kirchen und Einrichtungen, die einen bestimmte Gesinnung haben. Nur in den Niederlanden benennt das Antidiskriminierungsgesetz ausdrücklich, dass es KEINE Ausnahme für Kirchen und andere weltanschauliche Organisationen gibt, Menschen diskriminieren zu dürfen.

Aber lest selbst weiter…. EU report discrimination sexual_orientation_en

LSBTI Geflüchtete

Resettlement ist das Mittel der Wahl, wenn sowohl der Verbleib im Zufluchtsland als auch die Rückkehr in den Heimatstaat nicht möglich sind. Eine dauerhafte Perspektive im Zufluchtsland ist unter anderem dann nicht gegeben, wenn Flüchtlinge der Verfolgung, aufgrund derer sie ihrem Heimatstaat entflohen sind, auch in ihrem Zufluchtsland begegnen. Bei lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Flüchtlingen kann dies in besonderem Maße der Fall sein.“

Weiter: 18_4094_25.02.2015

Überdurchschnittliche Gewaltbetroffenheit von Frauen in Deutschland

Gewalt gegen Frauen in Europa: In Deutschland sind Frauen im europäischen Vergleich überdurchschnittlich häufig von physischer oder sexueller Gewalt betroffen

Berlin: (hib/AW) Deutschlands Frauen sind nur sehr schlecht über Kampagnen und Initiativen gegen Gewalt gegen Frauen informiert. Lediglich 23 Prozent der deutschen Frauen über 15 Jahren haben Kenntnis von solchen Programmen. Deutschland liegt damit unter den 28 Mitgliedstaaten auf einem der letzten drei Plätze. Dies teilte Joanna Goodey von der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte am Mittwoch vor dem Familienausschuss mit. Goodey informierte den Ausschuss über die Studie „Gewalt gegen Frauen“, die die Agentur im Frühjahr 2014 veröffentlicht hatte. Für die repräsentative Umfrage seien 42.000 Frauen nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und in zweistündigen Einzelinterviews befragt worden.

Laut der Studie liegt der Anteil der Frauen zwischen 15 und 74 Jahren in Deutschland, die physische oder sexuelle Gewalt erlebt haben mit 35 Prozent leicht über dem EU-Durchschnitt von 33 Prozent. In Deutschland seien zudem 13 Prozent der Mädchen unter 15 Jahren Opfer von sexueller Gewalt geworden, der EU-Durchschnitt liege bei zwölf Prozent. Auch bei den sexuellen Belästigungen von Frauen liegt Deutschland mit 60 Prozent über dem EU-Durchschnitt von 55 Prozent. Joanna Goodey kündigte an, dass die Studie in den kommenden Wochen nach Mitgliedsländern getrennt ausgewertet und die Ergebnisse veröffentlicht würden.

Quelle: hib Nr. 65 vom 4.2.2015

Film über gewalttätigen Beziehungsdynamiken: „einsichten“

Der Film einsichten handelt von gewalttätigen Beziehungsdynamiken in lesbischen Beziehungen. Er wurde im Auftrag der Lesbenberatung Berlin im Rahmen eines europäischen Kooperationsprojekts (LARS) 2012 erstellt.

Der/die Regisseur_in nutzt ein besonderes Stilmittel, um die Tabuisierung von häuslicher Gewalt innerhalb der LSBTIQ Communitys zu verdeutlichen: Es gibt eine Dissonanz zwischen Bild und gesprochenem Wort. Während die Bilder von einem harmonischen Miteinander zeugen, erzählen Frauen von körperlicher Gewalt, Machtausübung, kontrollierenden Verhalten und Angst.

Der Film dauert 4.13 Minuten und ist auf unserem Youtube Kanal zu finden:

Gewalt in Beziehungen geht uns alle an!

Spagat ins Glück – Gespräche mit Lesben und Schwulen mit Migrationsbiografie

Verheimlichen und Verleugnen – für viele Lesben und Schwule mit einer Migrationsbiografie eine notwendige Überlebensstrategie. Zerrissen zwischen den Vorstellungen und Erwartungen ihrer Herkunftsfamilien und ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen versuchen sie, ihr Leben in dieser Gesellschaft zu gestalten. Sie erfahren dabei Ausländerfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und Sexismus; ihre Familien und ihre Gemeinschaften bieten Schutz und stärken ihr Selbstverständnis. Zugleich ist Homosexualität dort oftmals stark tabuisiert. Die eigene – abweichende – sexuelle Orientierung offenzulegen, kann zum Ausschluss aus der Familie und den Diaspora Gemeinschaften führen. Lesben und Schwule erzählen von ihrer Liebe zu ihren Familien, von ihrer Zerrissenheit und ihrem Umgang mit dem Tabu.

Das Buch „Spagat ins Glück“ erschien 2014 im Querverlag und ist überall im Buchhandel erhältlich.

Das Projekt wurde gefördert von:

  • Hannche Mehrzweckstiftung
  • Stiftung Dreilinden
  • Heinrich Böll Stiftung
  • Broken Rainbow e.V.

Unser Dank gilt jenen, die so mutig waren, unserer Autorin ihre Geschichten zu erzählen.

Das Vatikan-Dokument: „Sünden gegen die Keuschheit“

(Rom) Der Vatikan hat alle Gläubigen und katholischen Politiker zum Widerstand gegen die Legalisierung von Ehe-ähnlichen Partnerschaften von Homosexuellen aufgerufen. Auszüge aus dem 14-Seiten-Dokument mit dem Titel „Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen“:

„Es gibt keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn. Die Ehe ist heilig, während die homosexuellen Beziehungen gegen das natürliche Sittengesetz verstoßen. Denn bei den homosexuellen Handlungen bleibt „die Weitergabe des Lebens … beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen“.

(…) Nach der Lehre der Kirche ist den Männern und Frauen mit homosexuellen Tendenzen „mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen.“ Diese Personen sind wie die anderen Christen gerufen, ein keusches Leben zu führen. Aber die homosexuelle Neigung ist „objektiv ungeordnet“, und homosexuelle Praktiken gehören „zu den Sünden, die schwer gegen die Keuschheit verstoßen“.

(…) Die Legalisierung von homosexuellen Lebensgemeinschaften würde deshalb dazu führen, dass das Verständnis der Menschen für einige sittliche Grundwerte verdunkelt und die eheliche Institution entwertet würde.

(…) Das Einfügen von Kindern in homosexuelle Lebensgemeinschaften durch die Adoption bedeutet faktisch eine Vergewaltigung dieser Kinder in dem Sinn, dass man ihren Zustand der Bedürftigkeit ausnützt, um sie in ein Umfeld einzuführen, das ihrer vollen menschlichen Entwicklung nicht förderlich ist. Eine solche Vorgangsweise wäre gewiss schwer wiegend unsittlich und würde offen einem Grundsatz widersprechen, der auch von der internationalen Konvention der UNO über die Rechte der Kinder anerkannt ist. Demgemäß ist das oberste zu schützende Interesse in jedem Fall das Interesse des Kindes, das den schwächeren und schutzlosen Teil ausmacht.

(…) Wenn die Ehe zwischen zwei Personen verschiedenen Geschlechts in rechtlicher Hinsicht nur als eine mögliche Form der Ehe betrachtet würde, brächte dies eine radikale Veränderung des Begriffs der Ehe zum schweren Schaden für das Gemeinwohl mit sich.

(…) Weil die Ehepaare die Aufgabe haben, die Folge der Generationen zu garantieren, und deshalb von herausragendem öffentlichen Interesse sind, gewährt ihnen das bürgerliche Recht eine institutionelle Anerkennung. Die homosexuellen Lebensgemeinschaften bedürfen hingegen keiner spezifischen Aufmerksamkeit von Seiten der Rechtsordnung, da sie nicht die genannte Aufgabe für das Gemeinwohl besitzen.

(…) Wenn alle Gläubigen verpflichtet sind, gegen die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften Einspruch zu erheben, dann sind es die katholischen Politiker in besonderer Weise, und zwar auf der Ebene der Verantwortung, die ihnen eigen ist. Wenn sie mit Gesetzesvorlagen zu Gunsten homosexueller Lebensgemeinschaften konfrontiert werden, sind folgende ethische Anweisungen zu beachten.

Wird der gesetzgebenden Versammlung zum ersten Mal ein Gesetzentwurf zu Gunsten der rechtlichen Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften vorgelegt, hat der katholische Parlamentarier die sittliche Pflicht, klar und öffentlich seinen Widerspruch zu äußern und gegen den Gesetzentwurf zu votieren. Die eigene Stimme einem für das Gemeinwohl der Gesellschaft so schädlichen Gesetzestext zu geben, ist eine schwerwiegend unsittliche Handlung.

(Quelle: Spiegel online, 1.8.2003)

Häusliche Gewalt in trans* Partnerschaften

Im Vereinigten Königkreich (UK) wurde eine Handreichung veröffentlicht, die sich mit häuslicher Gewalt in trans* Partnerschaften befasst.

Alle Menschen können unabhängig von ihrem Alter, ihrer sozialen Klasse, ihrer Behinderung, ihrer Geschlechtsidentität, ihrem Geschlecht, ihrer Sexualität, ihrem Migrationsstatus, ihrer Ethnie oder Religion Gewalt in der Partner_innenschaft erleben.

Wer können die Täter_innen sein? Der/die Partner_in, Familienmitglieder, der/die ehemalige Partner_in.

Gibt es besondere Formen der Gewalt wegen der Transsexualität? Ja. Gerade in der Phase der Transition ist man/frau besonders verletzbar. Der/die Täter_in kann diese Phase nutzen, um verstärkt Kontrolle auszuüben. Das kann besonders schwerwiegend werden, wenn Kinder mit betroffen sind. Andere Transsexuelle erfahren Gewalt durch ihre Familienangehörige, wenn sie offen legen, dass sie transsexuell sind, in der Phase der Transition oder wenn sie ein Partnerschaft mit einer anderen (trans*) Person eingehen.

Für viele Menschen ist es schwierig, gewalttätiges Verhalten in der Partnerschaft zu erkennen. Das trifft besonders für diejenigen zu, die in einer solchen Beziehung leben. Allzuleicht möchten sie glauben, dass das „nur einmal“ passiert ist, das der/die Partner_in einen schlechten Tag hatte und das Geschehen wegen anderer, äußerer Dinge passiert ist. Andere wiederum glauben, dass häusliche Gewalt nur körperliche Gewalt ist.

Transsexuelle Menschen erfahren außerhalb ihrer Partnerschaften viel Gewalt wegen ihrer Transsexualität. Ist auch das Zuhause und/oder die Partner_innenschaft kein sicherer Ort, kann das Erleben von häuslicher Gewalt besonders traumatisierend wirken.

Weitere Infos in englischer Sprache: Domestic Violence – A Resource For Trans People

Lesben häufiger von Gewalt in der Partnerschaft betroffen als heterosexuelle Frauen

Im Januar 2013 wurde vom US Amerikanischen „National Centre for Injury Prevention and Control“ eine Untersuchung, das National Intimate Partner and Sexual Violence Survey, veröffentlicht. In der Studie werden Erfahrungen von sexualisierter Gewalt, Vergewaltigung, körperlicher Gewalt und/oder Stalking nach sexueller Orientierung der Opfer analysiert.

Befragt wurden in 2010 insgesamt 9970 Frauen, von denen 9086 Erhebungen ausgewertet werden konnten. Von diesen Frauen haben sich 96,5% als heterosexuelle bezeichnet, 2,2% als bisexuelle Frauen und 1,3% als lesbisch. Auch wurden 8.079 Männer befragt, 7421 Interviews konnten ausgewertet werden. Von den Männern haben sich 96,8% als heterosexuell, 1,2% als bisexuell und 2,0% als schwul bezeichnet.

Die Ergebnisse in Kürze:

Bisexuelle Frauen haben ein deutlich höheres Risiko, in ihrem Leben Opfer von Vergewaltigung, sexualierter Gewalt, körperlicher Gewalt oder Stalking durch eine/n Intimpartner zu werden als vergleichsweise heterosexuelle Frauen oder Lesben.

Vergewaltigung, körperliche Gewalt und/oder Stalking durch eine/n Intimpartner_in:

  • Lesben: 43,8% Schwule: 26%
  • Heterosexuelle Frauen: 35% Heterosexuelle Männer: 29%
  • Bisexuelle Frauen: 61,1% Bisexuelle Männer: 37,3%

Schwere körperliche Gewalt durch eine/n Intimpartner_in (mit der Faust schlagen, gegen etwas schleudern, mit einem Gegenstand schlagen, …)

  • Lesben: 29,4% Schwule: 16,4%
  • Heterosexuelle Frauen: 23,6% Heterosexuelle Männer: 13,9%
  • Bisexuelle Frauen: 49,3% Bisexuelle Männer: zu geringe Datenbasis

Die Täter waren bei den bisexuellen und heterosexuellen Frauen vorrangig Männer:

  • Bisexuelle Frauen: 89,5% Männer als Täter
  • Heterosexuelle Frauen: 98,7% Männer als Täter

Bei Lesben waren es zu 67,4% Frauen, die sexuelle Gewalt verübt haben.

Bei bisexuellen und heterosexuellen Männern wurde die Gewalt meist von Frauen verübt:

  • Bisexuelle Männer: 78,5% der Täter waren Frauen
  • Heterosexuelle Männer: In 99,5% der Fälle waren Frauen die Täterinnen

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David Reimer, der „Junge, der ein Mädchen sein musste“, hat sich das Leben genommen

David Reimer sollte dem Sexualforscher John Money als Beweis dienen, dass geschlechtsspezifisches Verhalten keine Frage der Natur sei, sondern eine Frage der Erziehung. Das Experiment endet als Fiasko: David hat sich mit 38 Jahren das Leben genommen.

Von Bernadette Calonego

Vancouver – „Ich habe überlebt.“ Mit diesem Satz hatte sich der Kanadier David Reimer immer wieder selbst zu überzeugen versucht. Davon, dass ihn ein zwölf Jahre dauerndes Experiment im Dienste einer Wissenschaft nicht hat umbringen können. David Reimer, als Knabe geboren, wurde nach einer missglückten Operation als Mädchen aufgezogen. Er und sein eineiiger Zwillingsbruder Brian sollten Jahre dem renommierten amerikanischen Sexualwissenschaftler John Money als Beweis dafür dienen, dass geschlechtsspezifisches Verhalten keine Frage der Natur sei, sondern eine Frage der Erziehung, der Prägung. Das einst hochgelobte Experiment endete als Fiasko für die Wissenschaft. Von Anfang an aber war es eine Tragödie für David Reimer. Nun hat nach vielen Jahren des Kampfes um sein wahres Ich das Trauma seiner Kindheit über seinen Lebenswillen gesiegt: Er hat sich mit 38 Jahren in seiner Heimatstadt Winnipeg das Leben genommen. Zwei Jahre, nachdem auch sein Bruder Selbstmord begangen hatte.

Kanadas große Zeitungen haben von Reimers Tod auf den Titelseiten berichtet. Er war auch international bekannt geworden, nachdem der New Yorker Journalist John Colapinto vor vier Jahren David Reimers Biographie veröffentlicht hatte. Zudem gibt es auch einen Film über sein Schicksal. Das nahm seinen Lauf, als Bruce, wie ihn seine Eltern zunächst nannten, im Alter von acht Monaten ins St. Boniface Hospital von Winnipeg gebracht  wurde.

Wegen einer Vorhautverengung war ein kleiner Eingriff notwendig geworden. Bei der Beschneidung kam jedoch ein defektes Elektrogerät zum Einsatz  – zu viel Strom verbrannte den Penis des Babys. Das verkohlte Geschlechtsteil fiel stückchenweise buchstäblich ab. Die Eltern waren verzweifelt. Zufällig sahen sie im Fernsehen den amerikanischen Sexualforscher John Money von der Johns Hopkins Universität in Baltimore, und wandten sich ein Jahr nach der desaströsen Operation an ihn. 

Money galt als Koryphäe seines Fachs. Er vertrat die These, das geschlechtsspezifische Verhalten sei allein ein Produkt der Sozialisierung und nicht genetisch festgelegt. Demzufolge könne ein Kleinkind bis zum Alter von 18 Monaten zu jeder sexuellen Identität erzogen werden. Die These wurde in den siebziger und achtziger Jahren begeistert aufgenommen, von Wissenschaftlern – und vor allem in der noch jungen Frauenbewegung: Es galt zu untermauern, dass traditionelle Frauenrollen nicht biologisch bestimmt sind. In Bruce und seinem identischen Zwillingsbruder Brian als Vergleichsobjekt sah Money die ideale Chance, seine These zu beweisen. Der Psychologe überzeugte die blutjungen Eltern, Bruce als Mädchen aufzuziehen.

„Ich sah zu John Money auf wie zu einem Gott“, berichtete die Mutter der Zwillingsbrüder später. Bruce war 22 Monate alt, als seine Hoden operativ entfernt wurden, von da an wurde er als „Brenda“ aufgezogen. Money verbot den Eltern, ihrer „Tochter“ zu sagen, dass sie als Junge geboren wurde. Aber Brenda rebellierte früh gegen ihre weibliche Identität. Sie benahm sich wie ein Junge, verteidigte ihren Bruder gegen andere, pinkelte im Stehen, wollte keine Puppen, sondern die Spielzeugautos des Bruders.
Brenda wurde eine unglückliche Außenseiterin, die Mitschüler verspotteten sie, sie blieb sitzen. Die ganze Familie litt unter dem dunklen Geheimnis: Der Vater begann zu trinken, die Mutter wurde depressiv, der Bruder gewalttätig, und Brenda war suizidgefährdet. Der Arzt John Money dagegen verkaufte der Welt unterdessen sein medizinisches Experiment als Erfolg und wurde dafür gefeiert.

Erst 1997 enthüllte Moneys Rivale, der Arzt Milton Diamond von der Universität von Hawaii, den Fehlschlag dieses am lebenden Objekt vorgenommenen Versuchs und beschrieb Brendas Kindheit der Verwirrung und Erniedrigung. Je älter sie wurde, umso mehr widersetzte Brenda, sich den häufigen Besuchen bei Money in Baltimore, wehrte sich gegen entwürdigende Behandlungen und Untersuchungen, deren Sinn beide Kinder nicht verstanden. Brenda wollte sich keine künstliche Vagina einsetzen lassen, nahm aber auf Anweisung Moneys Hormone, damit ihr ein Busen wuchs. Ihre seelische Not wurde so offenkundig, dass Vater Reimer endlich die Wahrheit sagte.

Die 14-jährige Brenda reagierte erleichtert: Plötzlich ergab alles Verworrene Sinn. Sie nahm sogleich eine männliche Identität an, nannte sich fortan David – wegen des Kampfes von David gegen Goliath. David ließ sich die Brüste wegoperieren und einen künstlichen Penis aus Muskeln und Knorpel des Unterarms rekonstruieren. David Reimer heiratete schließlich eine Frau mit drei Kindern. Er arbeitete in einem Schlachthaus und bastelte an seinem Auto herum. Doch die Schatten des Missbrauchs in seiner Kindheit ließen ihn nicht los. Davids Frau Jane trennte sich nach zehn Jahren von ihm, er verlor seine Stelle und viel Geld bei Fehlinvestitionen. David Reimer hat sich, wie erst zwei Wochen später bekannt wurde, am 4. Mai umgebracht. Auf der Beerdigung sagte seine Mutter Janet: „Er war ein Held – er hat es den Ärzten gezeigt.“

John Money, heute 83 und emeritierter Professor, hat sich stets geweigert, Journalisten einen Kommentar zu seinem Experiment zu geben.

(Quelle: SZ vom 18.05.2004)

London: Ein Jahr bezahlter Urlaub für Anpass-OP

(London) Polizisten in der britischen Hauptstadt, die sich auf ihre Angleichungs-Operation vorbereiten, erhalten nun ein Jahr bezahlten Urlaub während der Operationsphase.

Die Ankündigung wurde am Montag durch die MET, Londons Hauptstadt-Polizei, bekannt gegeben. Sie ist nur ein Teil der Bemühungen, die gemacht werden, um mehr transgender Polizisten anzuziehen. Unter der neuen Politik wird jeder Polizei-Beamte, der die Anpass-Operation erlebt, 12 Monate bezahlte Freistellung mit 183 Tagen an voller Bezahlung bekommen.

Darüberhinaus werden die Kommandanten im Umgang mit bereits operierten Transsexuellen geschult. Dies beinhaltet auch zum Beispiel die Löschung aller Verweise und Einträge in den Unterlagen des operierten Polizeibeamten, die auf sein vorheriges Geschlecht Bezug nehmen.

Die Metropolitan Police stellte erst Anfangs dieses Jahres ihren ersten transsexuellen Beamten an. Derzeit finden sich in der 28.000 Mann starken Truppe gerademal 10 transsexuelle Polizeibeamte

gefunden bei transgender.at
(5.8.2003)