08000 116 016 – Bundesweites Hilfetelefon für von Gewalt betroffene Frauen

Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen bietet Betroffenen die Möglichkeit, sich bundesweit zu jeder Zeit anonym, kompetent, sicher und barrierefrei beraten zu lassen.

Die Mitarbeiter*innen stehen hilfesuchenden Frauen* vertraulich zur Seite und leiten sie bei Bedarf an die passenden Unterstützungsangebote vor Ort weiter.

Telefon: 08000 / 116 016

Istanbul Konvention

Die Istanbul Konvention, das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, besteht seit 2011 und wurde in demselben Jahr von Deutschland unterschrieben, aber erst im Oktober 2017 ratifiziert und ist schließlich am 1. Februar 2018 auch in Deutschland in Kraft getreten.

Ziel der Konvention ist, Frauen vor jeglicher Gewalt und häuslicher Gewalt zu schützen, gegen die Diskriminierung von Frauen vorzugehen und auf die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern hinzuwirken.

In den Erläuterungen zu der Istanbul Konvention CETS_210_Rapex.docx  wird deutlich auf ein Diskriminierungsverbot wegen des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, der Geschlechtsidentität, wegen des Alters, dem Gesundheitszustand, einer Behinderung, dem ehelichen Status und wegen des Migrations- oder Flüchtlingsstatus hingewiesen. Im Wortlaut heißt es in Artikel 14:

Women may still experience discrimination at hte hands of law enforcement agencies or the judicary when reporting an act of gender-based violence. Similary, gay, lesbian and bisexual victims of domestic violence are often excluded from support services because of their sexual orientation. Certain groups of individuals may also experience discrimination on the basis of their gender identity, which in simple terms means that the gender they identify with is not in conformity with the sex assigned to the at birth. […]“

Das bedeutet, dass die Istanbul Konvention auch auf die Lebenssituation von Lesben, Schwulen, Trans*, Non-Binarys anzuwenden ist.

Überdurchschnittliche Gewaltbetroffenheit von Frauen in Deutschland

Gewalt gegen Frauen in Europa: In Deutschland sind Frauen im europäischen Vergleich überdurchschnittlich häufig von physischer oder sexueller Gewalt betroffen

Berlin: (hib/AW) Deutschlands Frauen sind nur sehr schlecht über Kampagnen und Initiativen gegen Gewalt gegen Frauen informiert. Lediglich 23 Prozent der deutschen Frauen über 15 Jahren haben Kenntnis von solchen Programmen. Deutschland liegt damit unter den 28 Mitgliedstaaten auf einem der letzten drei Plätze. Dies teilte Joanna Goodey von der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte am Mittwoch vor dem Familienausschuss mit. Goodey informierte den Ausschuss über die Studie „Gewalt gegen Frauen“, die die Agentur im Frühjahr 2014 veröffentlicht hatte. Für die repräsentative Umfrage seien 42.000 Frauen nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und in zweistündigen Einzelinterviews befragt worden.

Laut der Studie liegt der Anteil der Frauen zwischen 15 und 74 Jahren in Deutschland, die physische oder sexuelle Gewalt erlebt haben mit 35 Prozent leicht über dem EU-Durchschnitt von 33 Prozent. In Deutschland seien zudem 13 Prozent der Mädchen unter 15 Jahren Opfer von sexueller Gewalt geworden, der EU-Durchschnitt liege bei zwölf Prozent. Auch bei den sexuellen Belästigungen von Frauen liegt Deutschland mit 60 Prozent über dem EU-Durchschnitt von 55 Prozent. Joanna Goodey kündigte an, dass die Studie in den kommenden Wochen nach Mitgliedsländern getrennt ausgewertet und die Ergebnisse veröffentlicht würden.

Quelle: hib Nr. 65 vom 4.2.2015

Film über gewalttätigen Beziehungsdynamiken: „einsichten“

Der Film einsichten handelt von gewalttätigen Beziehungsdynamiken in lesbischen Beziehungen. Er wurde im Auftrag der Lesbenberatung Berlin im Rahmen eines europäischen Kooperationsprojekts (LARS) 2012 erstellt.

Der/die Regisseur_in nutzt ein besonderes Stilmittel, um die Tabuisierung von häuslicher Gewalt innerhalb der LSBTIQ Communitys zu verdeutlichen: Es gibt eine Dissonanz zwischen Bild und gesprochenem Wort. Während die Bilder von einem harmonischen Miteinander zeugen, erzählen Frauen von körperlicher Gewalt, Machtausübung, kontrollierenden Verhalten und Angst.

Der Film dauert 4.13 Minuten und ist auf unserem Youtube Kanal zu finden:

Gewalt in Beziehungen geht uns alle an!

Häusliche Gewalt in trans* Partnerschaften

Im Vereinigten Königkreich (UK) wurde eine Handreichung veröffentlicht, die sich mit häuslicher Gewalt in trans* Partnerschaften befasst.

Alle Menschen können unabhängig von ihrem Alter, ihrer sozialen Klasse, ihrer Behinderung, ihrer Geschlechtsidentität, ihrem Geschlecht, ihrer Sexualität, ihrem Migrationsstatus, ihrer Ethnie oder Religion Gewalt in der Partner_innenschaft erleben.

Wer können die Täter_innen sein? Der/die Partner_in, Familienmitglieder, der/die ehemalige Partner_in.

Gibt es besondere Formen der Gewalt wegen der Transsexualität? Ja. Gerade in der Phase der Transition ist man/frau besonders verletzbar. Der/die Täter_in kann diese Phase nutzen, um verstärkt Kontrolle auszuüben. Das kann besonders schwerwiegend werden, wenn Kinder mit betroffen sind. Andere Transsexuelle erfahren Gewalt durch ihre Familienangehörige, wenn sie offen legen, dass sie transsexuell sind, in der Phase der Transition oder wenn sie ein Partnerschaft mit einer anderen (trans*) Person eingehen.

Für viele Menschen ist es schwierig, gewalttätiges Verhalten in der Partnerschaft zu erkennen. Das trifft besonders für diejenigen zu, die in einer solchen Beziehung leben. Allzuleicht möchten sie glauben, dass das „nur einmal“ passiert ist, das der/die Partner_in einen schlechten Tag hatte und das Geschehen wegen anderer, äußerer Dinge passiert ist. Andere wiederum glauben, dass häusliche Gewalt nur körperliche Gewalt ist.

Transsexuelle Menschen erfahren außerhalb ihrer Partnerschaften viel Gewalt wegen ihrer Transsexualität. Ist auch das Zuhause und/oder die Partner_innenschaft kein sicherer Ort, kann das Erleben von häuslicher Gewalt besonders traumatisierend wirken.

Weitere Infos in englischer Sprache: Domestic Violence – A Resource For Trans People

Lesben häufiger von Gewalt in der Partnerschaft betroffen als heterosexuelle Frauen

Im Januar 2013 wurde vom US Amerikanischen „National Centre for Injury Prevention and Control“ eine Untersuchung, das National Intimate Partner and Sexual Violence Survey, veröffentlicht. In der Studie werden Erfahrungen von sexualisierter Gewalt, Vergewaltigung, körperlicher Gewalt und/oder Stalking nach sexueller Orientierung der Opfer analysiert.

Befragt wurden in 2010 insgesamt 9970 Frauen, von denen 9086 Erhebungen ausgewertet werden konnten. Von diesen Frauen haben sich 96,5% als heterosexuelle bezeichnet, 2,2% als bisexuelle Frauen und 1,3% als lesbisch. Auch wurden 8.079 Männer befragt, 7421 Interviews konnten ausgewertet werden. Von den Männern haben sich 96,8% als heterosexuell, 1,2% als bisexuell und 2,0% als schwul bezeichnet.

Die Ergebnisse in Kürze:

Bisexuelle Frauen haben ein deutlich höheres Risiko, in ihrem Leben Opfer von Vergewaltigung, sexualierter Gewalt, körperlicher Gewalt oder Stalking durch eine/n Intimpartner zu werden als vergleichsweise heterosexuelle Frauen oder Lesben.

Vergewaltigung, körperliche Gewalt und/oder Stalking durch eine/n Intimpartner_in:

  • Lesben: 43,8% Schwule: 26%
  • Heterosexuelle Frauen: 35% Heterosexuelle Männer: 29%
  • Bisexuelle Frauen: 61,1% Bisexuelle Männer: 37,3%

Schwere körperliche Gewalt durch eine/n Intimpartner_in (mit der Faust schlagen, gegen etwas schleudern, mit einem Gegenstand schlagen, …)

  • Lesben: 29,4% Schwule: 16,4%
  • Heterosexuelle Frauen: 23,6% Heterosexuelle Männer: 13,9%
  • Bisexuelle Frauen: 49,3% Bisexuelle Männer: zu geringe Datenbasis

Die Täter waren bei den bisexuellen und heterosexuellen Frauen vorrangig Männer:

  • Bisexuelle Frauen: 89,5% Männer als Täter
  • Heterosexuelle Frauen: 98,7% Männer als Täter

Bei Lesben waren es zu 67,4% Frauen, die sexuelle Gewalt verübt haben.

Bei bisexuellen und heterosexuellen Männern wurde die Gewalt meist von Frauen verübt:

  • Bisexuelle Männer: 78,5% der Täter waren Frauen
  • Heterosexuelle Männer: In 99,5% der Fälle waren Frauen die Täterinnen

NISVS_SOfindings_2013